Zwischenstopp – Nächster Halt: „Mittelalter“

Buchcover: Zwischenstopp - Nächster Halt "Mittelalter"

Einige nutzen die „Lebensmitte“, um sich das bisherige Leben einmal im Detail vor Augen zu führen. Es ist eine bemerkenswerte Lebensphase, in der sich manche mitten in eine „Midlife-Crisis“ stürzen und alles in Frage stellen, was bisher Sinn machte und Wert hatte. Es tut sich viel, sowohl äußerlich als auch innerlich. Manche verfallen einem Jugendwahn und Körperkult, wollen vielleicht nachholen, was sie meinen vernachlässigt zu haben. Andere sind der Meinung, es sich redlich verdient zu haben, endlich kürzer treten zu können. Wieder andere beginnen, sich in neuen Bereichen zu engagieren. So oder so ist das „Mittelalter“ eine Zeit, in der wir Bilanz ziehen. Vielleicht sind die Kinder erwachsen und gehen eigene Wege. Vielleicht macht sich der Körper mit ein paar Gebrechen und Verschleiß bemerkbar und/oder Hormone spielen verrückt. Viele Menschen nutzen ihre zweite Lebenshälfte dazu, sich einen Überblick zu verschaffen, die Dinge und Spuren des bisherigen Lebens einmal von außen zu betrachten, zu bewerten und sich für die Zukunft neue Ziele zu stecken.

Nicht selten kommt es zu einschneidenden Veränderungen, ja sogar kompletten Lebenswenden. Manch einer stellt seine langjährige Partnerschaft, Freundschaften und den Beruf in Frage. Es geht intensiv um Fragen nach dem Lebenssinn und der Suche nach Inhalten, die sich „gut“ und „richtig“ anfühlen. In dieser Phase des Umbruchs werden Entscheidungen vermehrt per „Hand auf´s Herz“ getroffen. Und ebenso werden bisherige Inhalte äußerst kritisch beäugt und mit dem Bauchgefühl sowie den Erwartungen an die Zukunft abgeglichen. Obwohl wir jetzt hundertprozentig erwachsen sind, verhalten wir uns oft wie Teenager. Wir probieren Neues aus, wir trennen uns von diversen Dingen und/oder Menschen, kämpfen mit Stimmungen, die von einem Extrem ins andere wechseln. Oder wir halten verbissen an etwas fest, wofür wir jahrelang schwer geschuftet haben. Wir fühlen absolute Aufbruchstimmung. Oder aber wir fühlen uns wie gelähmt und depressiv, hadern mit dem Leben und dem, was wir meinen verpasst zu haben.

Jeder erlebt die Lebensmitte individuell, was aber wohl alle gleichsam erleben ist die Intensität. Und darin liegt die große Chance! Wir sind „groß“ und bereits „gestandene Menschen“, denen man nicht mehr viel vormachen kann. Wir haben bereits viel erlebt und schon einiges sortieren können. Wir wissen meist recht genau, was wir nicht mögen und nicht wollen. Schwieriger ist die Bestimmung der Dinge, die wir mögen und wollen. Und genau da kommt uns ein „Zwischenstopp“ zugute: Wir können anhalten, uns umschauen, den weiteren Weg bestimmen und neue Ziele anvisieren. Und, was mindestens genauso wichtig ist: Wir können uns einen umfassenden, wohlwollenden Blick zurück gönnen, um das zu würdigen, was bereits erlebt und geschafft ist.

Leider sind viele Menschen oft viel zu hin- und hergerissen, um sich selbst mit dieser Art von Rückschau einmal eine ordentliche Portion Respekt zu zollen. Doch genau dafür ist die Zeit da! Um achtsam mit sich selbst umzugehen, sich zu sortieren, vielleicht mit einigen Ereignissen und/oder Menschen Frieden zu schließen. Eben eine Lebensphase abzuschließen, die uns genau dorthin gebracht hat, wo wir nun stehen.  Eine tolle Gelegenheit für eine gründliche Standortbestimmung. Ohne Zeitdruck, denn schließlich haben wir mindestens genauso viel Lebenszeit noch vor uns. Die Gelegenheit, um einmal aus dem bisher Gewohnten heraus zu treten, anzuhalten, sich Fragen zu stellen und auf Antworten des Herzens zu hören. Die eigenen Bedürfnisse zu ergründen und ihnen Ausdruck zu verleihen. Uns auszuruhen, den Akku aufzufüllen und gestärkt in die zweite Lebenshälfte zu starten. Mit alter oder neuer oder anderer Qualität. Wir sind erwachsen und somit in der Lage, unser Leben so zu gestalten, wie es für uns „richtig“ ist. Niemand kann uns das absprechen.

Es ist also ebenso eine Phase der Selbstständigkeit und Selbstverantwortung. Niemand nimmt uns mehr ab, dass wir das nicht können und „Führung“ brauchen. Im Gegenteil, denn jetzt sind wir an der Reihe, langsam aber sicher andere von unserer Lebenserfahrung profitieren zu lassen. Das kann nur, wer sich so leiden mag, wie er ist und ebenso das, was dazu geführt hat. Noch dazu sind wir noch jung genug und haben noch genug Power, um im Laufe der kommenden Jahre die Früchte unseres Schaffens zu ernten. Und um noch weiteren, wertvollen Input zu geben bzw. zu bekommen. Im Grunde geht es doch jetzt erst richtig los. Es wäre daher wirklich schade, wenn wir diese Gelegenheit nicht beim Schopf packen und etwas Schönes daraus zaubern. Oder uns in eine Krise hinein schrauben, aus der wir vielleicht selbst nicht mehr heraus finden. Ein bisschen Hadern gehört sicherlich dazu, denn höchstwahrscheinlich ist bisher nicht alles nur glatt gelaufen. Auch damit würdigen wir das bereits Erlebte.

Doch letztendlich wartet eine Generationenaufgabe auf uns. Um die erfüllen zu können, mussten wir zunächst diverse Lebensthemen erfahren und uns auseinandersetzen. Doch nach diesem Zwischenstopp wartet ein klarer Auftrag auf uns, nämlich der nächsten Generation vorzuleben, das Leben eigenverantwortlich zu gestalten und vor allem zu genießen! Mit allem, was dazu gehört, inklusive unserer eigenen Art der Problem- und Krisenbewältigung. Fangen wir also mit der Midlife-Crisis an und zeigen unseren Kindern, wozu sie gut ist und was wir daraus machen! Sie schauen sowieso auf uns, ob wir das wollen oder nicht. Wir haben ja auch ein Auge auf unsere Eltern- und Großelterngeneration. Vielleicht lohnt es sich, es ihnen in mancherlei Hinsicht nachzumachen. Doch vielleicht können wir noch etwas hinzu fügen und es in einigen Belangen deutlich besser machen. Jetzt ist die Gelegenheit. Was meinen Sie?

Leseprobe (PDF, 239kb)
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Die ISBN lautet 978-3-86683-842-0.